iSense +
Halterung für iPad Air*
*passt auch zum iPad der 5. Generation (2017)
iSense +
Halterung für iPad Air 2**
**passt auch zum iPad Pro mit 9,7 Zoll
iSense +
Halterung für iPad mini 2
Vor einiger Zeit habe ich den Structure Sensor getestet, einen hervorragenden und vielseitigen 3D-Scanning-Sensor für das iPad. Heute nehme ich den iSense von 3D Systems unter die Lupe. Tatsächlich handelt es sich um einen umbenannten Structure Sensor, der von Occipital hergestellt, früher aber von 3D Systems verkauft und unterstützt wurde. Dieser 3D-Druckerhersteller setzte schon zuvor auf Sensoren anderer Anbieter: Der Sense der ersten Generation für Mac und Windows (Testbericht) war im Grunde ein PrimeSense Carmine. Im derzeit erhältlichen Sense 2 (Testbericht) steckt ein Intel RealSense SR300.
3D Systems stellte den iSense 2016 ein. Das Unternehmen verkauft ihn nicht mehr direkt, bei Händlern können aber noch Restbestände vorhanden sein. Die wirklich gute Nachricht: Auf Amazon und eBay finden sich viele unbenutzte iSense-Scanner mit enormen Preisnachlässen. Ein neuer Structure Sensor kostet $379, den iSense für diesen Test habe ich auf eBay dagegen für $58 gekauft – kein Tippfehler.
Macht der niedrige Preis daraus plötzlich ein schlechtes Gerät? Finden wir es heraus!
Genau diese Rabatte sind der Grund, weshalb ich ein eingestelltes Gerät teste. Sie werfen viele Fragen zu den Unterschieden zwischen beiden Sensoren auf, insbesondere hinsichtlich der unterstützten Software. In einem separaten Vergleich von iSense und Structure Sensor beantworte ich diese Fragen anhand zahlreicher Vergleichsscans. Deshalb behandle ich dieses Thema hier nicht erneut.
Wichtig ist jedoch: Auch mein stark reduzierter iSense funktioniert mit der hervorragenden iPad-App itSeez3D, die ich vor einiger Zeit getestet habe. Diese ist zwar nicht mehr vollständig kostenlos, liefert aber schönere 3D-Scans als die kostenlose Standard-App iSense, um die es im folgenden Test geht.
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Die iSense-App für iOS von 3D Systems funktioniert mit iPhone 6, iPhone 6+, iPad Air, iPad Air 2, iPad mini 2 mit Retina-Display und iPad der 4. Generation, ebenfalls mit Retina-Display. Für diesen Test verwende ich ein iPad mini 2.
Für den Test nutze ich diese Zusammenstellung von Objekten:

Und so sieht mein günstiger Studioaufbau aus:

Die iSense-App starten
Nach dem Start zeigt die App einen Hinweis zur Kalibrierung:

Der Hinweis verlinkt auf Occipitals App Structure Sensor Calibrator. Diese lässt sich herunterladen, aber nicht verwenden, denn …

Laut diesem Beitrag von Occipital wurde mein günstiger iSense nach der Produkteinstellung von einem nicht autorisierten Händler verkauft. Deshalb unterstützt Occipital das Gerät nicht vollständig, und die Kalibrierungs-App lässt sich nicht nutzen. Wer seinen iSense früher bei 3D Systems oder einem offiziellen Händler gekauft hat, besitzt vermutlich ein für die Calibrator-App freigeschaltetes Gerät. Andernfalls können Sie sich per E-Mail an den Occipital-Support wenden und um Freischaltung bitten.
Für alle Tests in diesem Beitrag verwende ich einen iSense, der ausdrücklich nicht mit der dafür vorgesehenen App kalibriert wurde. Mein Gerät wurde mit einer Halterung für das iPad Air 2 geliefert. Möglicherweise war es ab Werk darauf kalibriert; bei der Kalibrierung wird der Versatz zwischen Infrarotsensor und Farbkamera des iPads bestimmt. Ich habe den Sensor aber aus dieser Halterung genommen und in die meines iPad mini eingesetzt. Wie die Ergebnisse unten zeigen, schadete die fehlende Kalibrierung den Resultaten nicht, zumindest nicht bei Objekten dieser Größe.
Erfahrungen beim Scannen
Als Erstes fiel mir auf, wie ausgereift die iSense-App wirkt. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich und einfach zu bedienen. Gegenüber Occipitals Sample-Scanner-App hat 3D Systems viele Funktionen ergänzt. Auch Occipitals App lässt sich mit dem iSense nutzen, umgekehrt funktioniert der Structure Sensor jedoch nicht mit der iSense-App. Früher konnte man dies per In-App-Kauf freischalten, inzwischen steht diese Möglichkeit nicht mehr zur Verfügung.

Diese App ist die einzige iPad-Anwendung für solche Sensoren mit einer Tracking-Anzeige oben links. Beim Scannen von Objekten ohne markante Merkmale, etwa einem Stuhl oder Tisch, wechselt diese Anzeige zu Orange oder Rot, und die Software verliert leichter die Orientierung. In meinem Beispiel gab es keinerlei Tracking-Probleme. Der Ablauf war flüssig und unkompliziert.
Gut zu wissen: Für größere Objekte können Sie den Begrenzungsrahmen mit einer Zwei-Finger-Geste skalieren. Auf einem iPhone habe ich die App nicht getestet, doch die Symbole wirken groß genug, um auch auf einem kleineren Bildschirm bedienbar zu sein.
Bearbeitung
Das Besondere an der iSense-App sind ihre Bearbeitungsfunktionen. Das klingt selbstverständlich, doch weder Occipitals Scanner-App noch itSeez3D bieten solche Werkzeuge. Ob man sie benötigt, ist eine andere Frage, da alle drei Apps Hintergrund und Bodenfläche automatisch entfernen können. Sehen wir sie uns trotzdem kurz an.
Es gibt zwei Ansichten, Edit und Enhance, die jeweils drei recht willkürlich zusammengestellte Bearbeitungsfunktionen enthalten. Die Werkzeuge ähneln denen der Windows-Software Sense for RealSense von 3D Systems (Testbericht), die sich mit dem Sense 2 3D-Scanner (Testbericht) verwenden lässt – derzeit dem einzigen Tiefensensor für Privatanwender im Sortiment des Unternehmens.
In der Ansicht Edit können Sie das Modell mit Crop durch Aufziehen eines Rechtecks zuschneiden. Mit Erase entfernen Sie Bereiche von Hand; Solidify macht das Modell beispielsweise für den 3D-Druck wasserdicht. Das ist praktisch, allerdings spricht wenig dagegen, dass eine solche Software dies standardmäßig automatisch erledigt.


Auch die zweite Ansicht Enhance enthält Bearbeitungsfunktionen. Dazu gehört Trim, das sogar praktischer ist als Crop auf dem vorherigen Bildschirm: Es schneidet den kleineren der beiden Teile weg.
Mit Color lassen sich Helligkeit und Kontrast einstellen, mehr aber nicht. Und Touch Up – nun, da bin ich mir nicht sicher. Urteilen Sie selbst:

Vielleicht soll man damit 3D-Scans von Personen unkenntlich machen?
Speichern und Teilen
Auf dem letzten Bildschirm können Sie Ihren Scan speichern. Bevor 3D Systems den iSense und die auf Privatanwender ausgerichtete Cubify-Reihe für 3D-Scanning und 3D-Druck einstellte, ließen sich Modelle über Cubify.com teilen. Diese Website ist jedoch nicht mehr aktiv.

Das Modell lässt sich speichern. Anders als andere Apps, mit denen Sie die Dateien sich selbst oder jemand anderem per E-Mail schicken können, legt die iSense-App sie allerdings lokal auf dem iOS-Gerät ab.
Um an die Dateien zu gelangen, müssen Sie das Gerät per USB-Kabel mit einem Computer verbinden und die wunderbare Erfindung namens iTunes benutzen. Diesen Teil herauszufinden dauerte bei diesem Test am längsten. Hier sind also die völlig umständlichen Schritte.



Ergebnis
Hier sehen Sie das Ergebnis des oben beschriebenen Scans:
https://sketchfab.com/models/249859f3ac0e460d8398e7aec25f69ad
Wenn Sie die Sketchfab-Einbettung über das Zahnradsymbol auf den Rendermodus MatCap umstellen, erkennen Sie, dass die Geometrie zwar die Grundformen der Objekte wiedergibt, insgesamt aber sehr weich ausfällt. Obwohl ich zusätzlich zum Tageslicht eines Fensters eine Studiobeleuchtung mit 3 Lichtquellen verwendete und mich sehr langsam bewegte, sind die Texturen nicht besonders scharf.
Vergleichen Sie die Büste aus diesem Scan mit dem Ergebnis des ebenfalls von 3D Systems angebotenen und weiterhin offiziell erhältlichen Sense 2 für Windows, sehen Sie: Das auf dem Intel RealSense SR300 basierende Gerät liefert sowohl bei der Geometrie als auch bei der Textur mehr Details.
https://sketchfab.com/models/d7cf68c659fe4d40b95b1c40f8e7ff1e
An der geometrischen Genauigkeit des iSense lässt sich zwar nichts ändern, doch bessere Texturen können das Aussehen seiner Scans deutlich verbessern. Die App itSeez3D (Testbericht) verwendet andere, cloudbasierte Algorithmen und liefert mit dem iSense hochwertigere Texturen:
https://sketchfab.com/models/4c3afb5feff84b659c3d8f129f6ea337
Mit einem echten Structure Sensor erhielt ich übrigens genau die gleichen Ergebnisse. Diese sowie Vergleichsscans aus anderen Apps wie Skanect finden Sie in diesem Vergleich von iSense und Structure Sensor.
Fazit
Ich habe den iSense gekauft, weil ich viele Fragen zu den enormen Preisnachlässen erhielt. Persönlich werde ich ihn nur mit itSeez3D verwenden, weil mir die Qualität dieser App gefällt. Die iSense-App von 3D Systems wollte ich dennoch testen: Leser sollen beurteilen können, ob ein extrem günstiger Sensor in Verbindung mit einer vollständig kostenlosen App tatsächlich so gut ist, wie es klingt.
Tatsächlich ist das der Fall! Mit einer guten Beleuchtung, die nicht teuer sein muss, liefern der iSense und die gleichnamige App ordentliche Scans für Hobbyprojekte und vielleicht sogar kleinere professionelle Aufträge mit begrenztem Budget. Wer mehr herausholen möchte, kann jederzeit auf itSeez3D umsteigen und bessere Ergebnisse erzielen – zumindest bei den Texturen.
Vergessen Sie nicht: itSeez3D bietet eine kostenlose Version. Sie erlaubt zwar keinen Download der 3D-Modelldateien, der pro Projekt bezahlt wird, aber Sie können Ihren Scan kostenlos als nicht herunterladbares Modell auf Sketchfab exportieren und teilen. Alle Einzelheiten finden Sie in meinem Testbericht.
Zum Schluss noch ein Hinweis: Die Unterstützung durch Drittanbieter-Software wurde zum Zeitpunkt dieses Artikels getestet und kann sich später ändern.
Update Mai 2017 zum iPad der 5. Generation (2017)
Die Halterung für das iPad Air, also nicht die für das Air 2, passt auch auf das 2017 erschienene neue iPad. Die RGB-Kamera sitzt dabei etwas außermittig, vermutlich funktioniert es aber problemlos.

Ein Leser dieses Blogs hat eine 3D-druckbare Halterung für das neue iPad (2017) erstellt, die Sie kostenlos auf Thingiverse herunterladen können!
Getestet wurde sie mit der iPad-Air-2-Version des iSense. Meiner Einschätzung nach passen diese und die iPad-Air-Version am besten zum iPad (2017), weil die RGB-Kamera ähnlich positioniert ist.
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