2016 neigt sich dem Ende zu – Zeit, auf ein weiteres Jahr zurückzublicken. Für mich war es das Jahr, in dem ich beschloss, meinen Blog und meine Forschungs- und Entwicklungsarbeit ganz auf Technologien zur 3D-Erfassung auszurichten. Ohne jede Reue! Bisher ist es eine spannende Reise, und ich habe viel großartige Hard- und Software in einem Markt getestet, der sich schneller verändert, als vielen bewusst ist.
Die allererste 3D-Scan-Hardware, die ich getestet habe, war im Februar der Sense-Scanner der ersten Generation von 3D Systems. Da dieses Gerät zur verbraucherorientierten Marke Cubify gehörte, die 2015 eingestellt wurde, erwartete ich keinen Nachfolger des Sense. Doch ich lag falsch, und heute schreibe ich über meine Erfahrungen mit dem Sense 2 – oder, wie 3D Systems ihn nennt, dem „Next Generation Sense“. Er richtet sich inzwischen stärker an Profis, hat aber weiterhin den verbraucherfreundlichen Preis von $399.
Mein Testgerät wurde freundlicherweise vom Shop für 3D-Drucker und 3D-Scanner Machines 3D bereitgestellt!
In diesem Test vergleiche ich den 3D Systems Sense 2 mit
- seinem Vorgänger, dem ursprünglichen 3D Systems Sense 3D Scanner, den ich als Sense 1 bezeichne.
- dem XYZ 3D Scanner, denn dieser nutzt den Intel-RealSense-F200-Sensor, dessen Nachfolger der SR300-Sensor im Sense 2 ist.
- dem Structure Sensor, den 3D Systems auch unter dem Namen iSense verkaufte. Dieses umbenannte Gerät wurde kürzlich eingestellt. Ich werde es als Structure Sensor bezeichnen.
Unterschiede zum Sense 1
Der Sense 2 hat genau dieselbe Bauform wie das Original. Tatsächlich ist es dasselbe Kunststoffgehäuse, nur besteht die Innenseite des Griffs jetzt aus transparentem statt dem ursprünglichen milchig weißen Kunststoff.
An der Unterseite hat er weiterhin ein Stativgewinde, was praktisch ist. Aber es fehlt nach wie vor ein Knopf zum Starten und Stoppen des Scanvorgangs. Ich halte das immer noch für einen großen Konstruktionsfehler – selbst der $199 teure XYZ 3D Scanner (Test) hat einen Knopf! Am Gehäuse wäre dafür der perfekte Platz …
Technisch verwenden Sense 1 & 2 beide eine Infrarottechnologie zur Tiefenerfassung. Der Unterschied: In der ursprünglichen Version steckte ein PrimeSense Carmine 1.09, während die neue Intels neuesten Tiefensensor SR300 nutzt.
Es fehlt nach wie vor ein Knopf zum Starten und Stoppen des Scanvorgangs
Auf dem Papier steigt damit die Auflösung der Tiefenkamera von 320 x 240 auf 640 x 480 Pixel. Die Farbkamera macht einen noch größeren Sprung: von 320 x 240 auf Full HD mit 1920 x 1080 Pixeln. Beide Datenblätter nennen eine Tiefenauflösung von 1mm bei einem Abstand von 0.5 Metern.
Doch der Sense 2 ist nicht in jeder Hinsicht besser. Der minimale Scanabstand bleibt zwar bei 0.2 Metern, doch die maximale Reichweite von Intels SR300-Hardware begrenzt den Sense 2 auf 1.6 Meter (Intel nennt für 3D-Scans übrigens 0.75 Meter), während sein Vorgänger noch bei 3 Metern scannen konnte – also fast doppelt so weit! Dadurch sank auch die maximale Scangröße von 3 x 3 x 3 auf 2 x 2 x 2 Meter. Realistisch betrachtet fallen mir allerdings kaum Objekte über 2 Meter ein, die man mit einem solchen Handscanner erfassen möchte.
Wichtig ist außerdem, dass der Sense 2 den Mac nicht mehr unterstützt. Apple-Nutzer wie ich müssen daher Windows 8 oder 10 über Boot Camp verwenden. Das trifft übrigens auf viele 3D-Scanner zu, und persönlich stört mich der Neustart unter Windows zum Scannen nicht besonders. Ehrlich gesagt war die Mac-Version des ursprünglichen Sense nicht so gut wie die Windows-Version.
Als Pluspunkt bietet die neue Software Sense for RealSense von 3D Systems eine hervorragende Bedienerfahrung mit dem Sense 2 oder anderen RealSense-basierten Scannern – kostenlos und ohne Einschränkungen. Ich habe diese Software separat getestet, als ich den XYZ 3D Scanner ausprobierte. Dieser enthält den älteren RealSense F200, dessen Nachfolger der im Sense 2 verwendete SR300 ist. Mit der Software erzielte ich bessere Ergebnisse als mit XYZs eigener App.
Also, fangen wir mit dem Scannen an!
Geometriequalität
Als Erstes interessierte mich die geometrische Qualität der Scans des Sense 2. Der Schaumstoff-Schaufensterpuppenkopf steht noch in meinem Büro, also beschloss ich, einen direkten Vergleich mit dem 3D-Modell des Sense 1 anzustellen. Dafür stellte ich „Geometry Resolution“ auf die höchste Stufe.
https://sketchfab.com/models/f9c56e76640b45c6a39cb8c907c08e6d
Der Scan des Sense 2 (rechts) hat zwar fast doppelt so viele Polygone – 348k gegenüber 180k –, zeigt aber keine zusätzlichen Details. Das Ergebnis des Sense 1 (links) enthält mehr geometrische Einzelheiten, etwa die Falte über den Augen sowie die Konturen von Lippen und Nase. Bei der höchsten Auflösung enthält der Sense-2-Scan auch mehr geometrisches Rauschen. Dazu später mehr.
Der Scan des Sense 2 hat fast doppelt so viele Polygone wie der des Sense 1, zeigt aber keine zusätzlichen geometrischen Details.
Bis hierher also nicht besonders gut. Die FAQ zum Sense 2 räumen zudem offen ein: „Der neue Sense scannt ungleichmäßige Strukturen wie Haare nicht ganz so gut wie der alte.“ Wenn Sie meinen Test des Sense 1 gelesen haben, wissen Sie jedoch, dass mich dessen Geometrieerfassung tatsächlich überraschte. Das Problem war allerdings die völlig unzureichende Farberfassung – sie war schlicht miserabel und machte die Scans für alles außer einfarbigen 3D-Drucken unbrauchbar.
Texturqualität
Für viele neue Anwendungen, etwa die Online-Darstellung, Spiele und Virtual Reality, gewinnt die Texturqualität zunehmend an Bedeutung. Ich wage zu behaupten, dass eine gute Texturerfassung und -zuordnung in vielen dieser Fälle geringere geometrische Details ausgleichen können. Sehen wir uns deshalb die Texturen an, die der Sense 2 mit seiner HD-RGB-Kamera erfasst.
Zum Vergleich hier der mit dem Sense 1 gescannte Teddybär mit 18cm Höhe:
https://sketchfab.com/models/98a45064080c4c8e8bfd39f0ced4019a
Wie Sie sehen, ist die Texturqualität schlecht: unscharf und nicht besonders hell. Falls Sie die Geometrie interessiert, können Sie über das Zahnradsymbol unten rechts den Darstellungsmodus der obigen Sketchfab-Einbettung auf MatCap stellen – das Modell hat 207.5k Polygone.
Und hier ist Teddy, aufgenommen mit dem Sense 2:
https://sketchfab.com/models/4a4fa6db69004f859ded8d6073bc2afe
Eine deutliche Verbesserung der Texturqualität! Keine Museumsqualität, aber für viele Zwecke durchaus brauchbar. Beachten Sie allerdings, dass ich für fast alle Sense-2-Scans ein kleines Studiolicht-Set mit Softboxen verwendete. Beim obigen Scan stand der Regler „Geometry Resolution“ auf 3/4, was ich als „mittelhoch“ bezeichne. Bei dieser Einstellung beträgt die Polygonzahl 323k. Das ist etwas mehr als beim Sense 1, bei vergleichbarem Detailumfang. Eine Erhöhung auf die höchste Auflösung verdoppelt die Polygonzahl, bringt aber keine zusätzlichen Details – nur mehr Rauschen.
Eine deutliche Verbesserung der Texturqualität! Keine Museumsqualität, aber für viele Zwecke durchaus brauchbar.
Falls Sie wissen möchten, wie sich der Intel-RealSense-SR300-Sensor dieses Geräts gegenüber dem älteren F200 schlägt: Hier ist derselbe Teddy, damit unter ähnlichen Bedingungen aufgenommen:
https://sketchfab.com/models/c889f8e74ec5479cace5fe9f8e93f4dd
Mit weniger als 100k Polygonen und einer unschärferen Textur liefert der F200 eindeutig weniger Qualität als sein Nachfolger.
Zum Schluss derselbe Teddybär, gescannt mit dem Structure Sensor an einem iPad unter itSeez3D 4.1 (Test). Die Software wurde kürzlich um bessere Objektscans erweitert. Trotz Cloud-Verarbeitung beträgt die Polygonzahl 50k; damit ist dies der detailärmste der gezeigten Scans.
https://sketchfab.com/models/5669ab708807441f87494128e44f63a7
Flexibilität & Bedienkomfort
Mit 18cm Höhe ist Teddy etwas kleiner als die minimale Scangröße von 20 x 20 x 20 cm. Wechseln wir also zu etwas Größerem. Das ist zugleich eine gute Gelegenheit zu zeigen, dass Objekte auf zwei Arten gescannt werden können. Die erste besteht darin, mit dem Scanner in einer Hand und einem Laptop oder Tablet in der anderen um das Motiv herumzugehen.
Alternativ stellen Sie das Objekt auf einen Drehteller und drehen es vor dem Scanner. Dabei kann der Scanner auf einem Stativ stehen. Wenn Sie den Drehteller sehr langsam bewegen und ein Lichtset nutzen, minimiert das das Rauschen der Geometrieerfassung und verringert die Gefahr von Bewegungsunschärfe in den Farbtexturen.
Bei manchen Objekten mag das funktionieren, bei der obigen Büste jedoch nicht: Ich konnte die Bereiche unter Nase und Kinn nicht erfassen. Deshalb kombinierte ich beide Methoden und nutzte den Drehteller, hielt den Scanner aber in der Hand. Hier ist ein Video des Vorgangs mit 4x Wiedergabegeschwindigkeit. Es zeigt auch, wie die Erfassung in der Software aussieht.
Für ein besseres Video half mir eine zweite Person beim Drehen des Tellers. Mit zwei Händen geht es aber auch allein. In diesem Modus stört der fehlende Start-Stopp-Knopf kaum, denn man kann am Tisch sitzen und mit einer Hand den Laptop bedienen und den Drehteller drehen.
Die Erfassung ist einfach, und das Tracking des Sense 2 hat mich überrascht
Wie Sie sehen, ist die Erfassung einfach. Das Tracking des Sense 2 überraschte mich sowohl mit dem Drehteller als auch beim Umrunden eines Objekts oder einer Person. Unten sehen Sie den Scan mit der niedrigsten Einstellung für „Geometry Detail“. Ich erstellte außerdem einen Scan mit der höchsten Einstellung, doch hier war der Unterschied minimal: 172k gegenüber 190k Polygonen.
https://sketchfab.com/models/0c27e7a6558a41e4b332027737d951ef
Zum Vergleich: Dieselbe Büste hat nach dem Scannen mit Structure Sensor & itSeez3D nur 48.5k Polygone. Der Sense-2-Scan enthält mehr geometrische Details in den Haaren und im Augenbereich.
https://sketchfab.com/models/54c9254726bc4015880ff472a51d99b6
Soweit ich weiß, bietet die aktuelle Version von Sense for RealSense weiterhin kein RGBD-Tracking, das neben geometrischen Mustern auch die RGB-Texturdaten eines Objekts verfolgt. Der SR300 im Sense 2 hat zwar ein deutlich besseres Tracking als der ältere RealSense F200, doch die wenigen geometrischen Merkmale meines alten Krugs bereiteten ihm Probleme.
Ehrlich gesagt hätte ich das wohl mit einigen weiteren Versuchen umgehen können. Für diesen Test ist aber gut zu wissen: Falls es nicht klappt, können Sie das PDF „Tracking Assist“ ausdrucken und die gleichnamige Funktion in den Einstellungen aktivieren.
Ich legte den Ausdruck auf ein Stück Pappe, damit er sich auf dem Drehteller nicht verbog. Das machte den Scanvorgang bei diesem Objekt tatsächlich flüssiger. Hier ist das Ergebnis:
https://sketchfab.com/models/1f7f1da94cfc41eb933372f0837ed0d5
Für das obige Beispiel nutzte ich die Bearbeitungsfunktionen von Sense for RealSense, darunter das Schließen von Löchern, das in den meisten Fällen gut funktioniert. Dabei versucht die Software auch, die Textur zu vervollständigen. Den unbearbeiteten Scan sehen Sie hier.
Auf die Bearbeitungsfunktionen gehe ich nicht ausführlich ein, weil ich bereits einen separaten Test dazu geschrieben habe. Dieses GIF zeigt jedoch, wie sich mit „Crop“, „Trim“, „Erase“ und „Solidify“ ein Scan schnell bereinigen lässt. Anschließend können Sie Helligkeit und Kontrast anpassen und das Modell für den Export zu Sketchfab oder als 3D-Datei (.OBJ, .STL, .PLY oder .WRL) vorbereiten.
Menschen scannen
Ich bekomme viele Fragen von Lesern, die solche Tiefensensoren zum 3D-Scannen von Menschen statt nur von Objekten einsetzen möchten. Häufig geht es darum, einen günstigen 3D-Druckservice für Miniaturfiguren aufzubauen. Daher weiß ich, dass viele von Ihnen direkt zu diesem Abschnitt gesprungen sind. Schauen wir ihn uns an.
Die Software bietet die Modi „Head“ und „Body“, wobei Ersterer eigentlich ein Büstenmodus ist – eine gute Sache. Unterschätzen Sie nicht die nötige Beleuchtung: Wegen des größeren Scanbereichs muss sie leistungsfähiger sein als bei Objekten. Ich empfehle, Büsten von Personen zu scannen, die auf einem stabilen Stuhl sitzen. So bewegen sie sich weniger, und die Oberseite des Kopfes lässt sich besser erfassen.
Eine höhere Geometrieauflösung erhöht den geometrischen Detailgrad, verschlechtert aber die Texturzuordnung.
Bevor wir einen Scan des neuen Sense 2 betrachten, sehen wir uns noch einmal den Scan meines Geschäftspartners Patrick mit dem Sense 1 der ersten Generation an:
https://sketchfab.com/models/293a655caa0448babd918601e0ab21a8
Das machte mich nicht besonders glücklich. Vor allem wegen der Texturen, denn die geometrischen Details wären für kleine einfarbige 3D-Drucke durchaus noch brauchbar. Unten folgt ein Scan mit dem Sense 2 bei der niedrigsten Einstellung für „Geometry Resolution“. Er hat eine ähnliche Polygonzahl wie der Sense-1-Scan (~100k Polygone), aber eine erheblich bessere Textur:
https://sketchfab.com/models/987c3d96a0c144c8a3395bbea8040226
Eine höhere Geometrieauflösung bringt zwar mehr geometrische Details, zugleich aber auch mehr geometrisches Rauschen. Möglicherweise verschlechtert sich deshalb die Texturzuordnung. Genau dasselbe Verhalten beobachtete ich beim Scannen von Menschen mit dem XYZ / RealSense F200. Hier ein Beispiel mit „Geometry Resolution“ auf mittelhoch (420k Polygone):
https://sketchfab.com/models/c0da6f30fa844ebeb86291dbc8b02417
Unabhängig von der Geometrieauflösung fiel mir auf, dass die Software Probleme bei der Texturzuordnung der Augen hat. Wenn Sie die obigen Einbettungen drehen, sehen Sie, dass die Augentextur auf den oberen Bereich der Augenlider gelegt wird.
Die obigen Scans entstanden mit Softbox-Beleuchtung. Als Experiment wollte ich herausfinden, ob ich den Sense 2 für Personenscans mobiler machen könnte. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass die günstige akkubetriebene LED-Leuchte, die ich einmal bei Amazon gekauft hatte (mehr dazu und zu meinen Softbox-Aufbauten hier), einen Adapter für ein Stativgewinde mitbrachte.
Die Überraschung: Das funktioniert tatsächlich ziemlich gut. Man muss einen mehr oder weniger konstanten Abstand zum Motiv halten, um zu große Helligkeitsschwankungen zu vermeiden. Ansonsten ähnelt das Ergebnis dem Softbox-Scan – bei deutlich weniger Aufwand und vollständig mobil. Der Sense 2 wird über USB versorgt, und die LED hat einen eigenen per USB aufladbaren Akku.
https://sketchfab.com/models/83ea1faa792b46c0a8d919a236c75512
Insgesamt wirken die Ergebnisse für mich wegen der merkwürdigen Texturzuordnung an den Augen aber weiterhin etwas unheimlich im Sinne des „Uncanny Valley“. Unten folgt ein Scan, der im selben Moment mit genau demselben Softbox-Aufbau entstand, allerdings mit einem iPad mini 2, Structure Sensor und itSeez3D 4.1:
https://sketchfab.com/models/7d35a0cd120340d78e876312fa42ec5d
Obwohl das obige Modell weniger als halb so viele Polygone wie die Sense-2-Scans hat, gleichen die Qualität und Zuordnung der Texturen das meiner Meinung nach aus. Dabei ist das nur die Fotoqualität eines alten iPad mini 2. Stellen Sie sich die eines iPad Pro vor. Vermutlich kann Intel zum aktuellen Preis niemals eine RGB-Kamera auf iPad-Niveau in seine RealSense-Tiefensensoren integrieren. Bei der Texturqualität gewinnt daher der Structure Sensor.
Insgesamt wirken Personenscans mit dem Sense 2 für mich weiterhin etwas unheimlich im Sinne des „Uncanny Valley“
Das Problem der Augentexturzuordnung verstärkt sich bei Personen mit sehr kleinen Augen, wie mir. Die folgenden Scans wurden unmittelbar nacheinander mit dem Sense 2 und dem Structure Sensor / itSeez3D aufgenommen. Beim ersten sieht es aus, als hätte ich einen seltsamen Snapchat-Filter verwendet …
https://sketchfab.com/models/9684b235adab47efaf91600772acc557
https://sketchfab.com/models/86506b58da6a4648a9f9b68f31c48d2f
Und was ist mit Skanect?
An dieser Stelle fragen mich manche – und glauben Sie mir, das tun viele –, ob die Kombination aus Structure Sensor und Skanect statt itSeez3D die Geometrie verbessern und zugleich die Texturqualität hoch halten würde. Diese Frage ist inzwischen noch relevanter, da itSeez3D jetzt je nach Tarif ein Abonnement und/oder Gebühren pro Scan verlangt. Skanect, dessen Pro-Version einmalig $129 kostet, und das kostenlose Sense for RealSense erlauben hingegen beliebig viele Scans und Exporte.
Darauf kann ich noch kein belastbares Ja oder Nein geben. Die derzeit öffentlich verfügbare Version von Skanect ermöglicht zwar detailliertere Geometrie mit dem Structure Sensor, doch die Texturen sind nicht besonders gut. Ich teste weiterhin die Betaversion, die dieses Problem lösen soll. Bis ich sagen kann, ob das gelingt, müssen Sie sich noch etwas gedulden.
Bleiben Sie dran!
Ganzkörperscans
Zuletzt habe ich die Ganzkörper-Scanfunktionen des Sense 2 zusammen mit der Software Sense for RealSense von 3D Systems getestet. Während Büstenscans recht reibungslos abliefen, erwies sich die Erweiterung des Scanvolumens auf einen ganzen Körper als überraschend schwierig.
Als Erstes fiel auf, dass der Sensor massive Probleme mit Patricks grauer Jeans hatte, obwohl diese nicht einmal besonders dunkel ist. Sie ließ sich nur aus sehr geringer Entfernung von etwa 15-20 cm erfassen, und nur bei frontaler Ausrichtung. Dadurch lag sie nicht nur außerhalb des Fokusbereichs der RGB-Kamera; auch der Software fiel es schwerer, den gesamten Zusammenhang zu verfolgen. Außerdem kann das Scannen unterhalb der Taille in diesem Abstand bei vielen professionellen Anwendungen unangenehm sein. Und dunkle Hosen sind sehr verbreitet.
Dasselbe Problem trat bei Patricks Haaren auf, deren Farbe … äh … gut zu seiner Jeans passte. Ich konnte sie erfassen, aber nur aus der Nähe und frontal – was fast unmöglich ist, da er größer ist als ich. Auf einem automatischen Drehteller verstärkte sich das Problem noch. Der folgende Scan entstand auf dem Drehteller und benötigte 6 Umdrehungen für dieses weiterhin unvollständige Ergebnis.
https://sketchfab.com/models/1455ff5b4d5c43229e3cd448b7b6ceb9
Wieder zum Vergleich: Dieser Scan mit Structure Sensor / itSeez3D entstand in nur einer Umdrehung. Anfang und Ende der 360°-Drehung wurden zwar nicht perfekt verbunden, ansonsten ist die Ähnlichkeit aber gut. Auch die Bedienung verlief reibungsloser.
https://sketchfab.com/models/16524f86df1a4d668d09ddd0e1cdad29
Inzwischen habe ich Hunderte Menschen und Objekte mit vielen Scannern erfasst. Um die Erfahrung eines Erstnutzers besser einschätzen zu können – beim Sense durchaus im Wortsinn –, bat ich Patrick, mit Sense 2 und Structure Sensor einen Ganzkörperscan von mir anzufertigen.
https://sketchfab.com/models/9b94fa72eae147588ff9ea0209c84dc4
https://sketchfab.com/models/d8afe23fe934490c80c9dc0bd358de46
Für den Sense-2-Scan brauchte er über 5 Minuten und 4 Versuche, die ich wirklich nicht zeigen wollte. Der Structure-Sensor-Scan war dagegen in unter 2 Minuten und einem Versuch fertig. Beim Körperscannen ist das erheblich, denn mit jeder Minute wird es schwieriger, vollkommen stillzustehen.
Preis
Normalerweise beginne ich mit diesem Abschnitt. Hier habe ich ihn aus gutem Grund für den Schluss aufgehoben.
Zunächst einmal ist der Sense 2 mit $399 im Vergleich zu anderen handgeführten 3D-Scannern günstig. Er funktioniert an den meisten Windows-Rechnern; Hardwareempfehlungen finden Sie hier. Die meisten müssen daher keine zusätzliche Hardware kaufen, abgesehen von einem Lichtset! Dazu kommt hervorragende, völlig kostenlose und sehr benutzerfreundliche Software – ohne Abonnement und ohne Einschränkungen. Mit ihr lassen sich Scans erfassen, bearbeiten, teilen und archivieren.
Technisch ist es allerdings nur ein Intel-RealSense-SR300-Sensor im selben einfachen Kunststoffgehäuse wie beim Sense 1, das besser aussieht, als es sich anfühlt. Mehr nicht. Nicht einmal ein Start-Stopp-Knopf ist vorhanden, den ich wirklich vermisst habe. Das Gehäuse richtet den Sensor im Hochformat aus. Zusammen mit dem Handgriff macht ihn das bei Nutzung eines Laptops als handgeführten 3D-Scanner etwas praktischer und vielleicht auch professioneller aussehend, falls Ihnen das wichtig ist. Mit einem Windows-Tablet bevorzugen Sie aber womöglich ein Gerät zum Anklipsen, das eher wie eine Kombination aus iPad und Structure Sensor beziehungsweise iSense funktioniert.
Es ist nur ein Intel-RealSense-SR300-Sensor im selben einfachen Kunststoffgehäuse wie beim Sense 1. Mehr nicht.
Tatsächlich verkauft der Gaming-PC-Hersteller Razer den RealSense SR300 als 3D-Webcam unter dem Namen Stargazer für $149,99 – für weniger als die Hälfte des Sense 2. Creative verkauft ihn unter dem Namen BlasterX Senz3D für $179. Beide Geräte sollten mit der kostenlosen Software Sense for RealSense funktionieren. Ehrlich gesagt fühlt sich das aber ein wenig so an, als würde man 3D Systems ausnutzen. Bei der Software hat das Unternehmen wirklich gute Arbeit geleistet.
Update: Mehrere Nutzer haben mir berichtet, dass Sense for RealSense nicht mit der Razer Stargazer funktioniert. Mit der Creative BlasterX Senz3D, die ich hier habe, funktioniert es. Diese wurde jedoch ursprünglich als SR300 SDK gekauft; deshalb weiß ich nicht, ob auch die Einzelhandelsversion dieses Geräts unterstützt wird.
Fazit
Nach der Einstellung der Marke Cubify erwartete ich, dass 3D Systems den Sense 3D Scanner nach Abverkauf der Bestände nicht weiter anbieten würde. Doch das geschah nicht. Das Unternehmen verwendete das Gehäuse erneut – gut, es wurde leicht überarbeitet – und baute Intels neuesten Tiefensensor SR300 ein. Der Sense 2 kostet mehr als andere SR300-basierte Geräte, die genau dieselben Ergebnisse erzielen können: mehr als doppelt so viel. Die Bauform des Sense 2 erinnert etwas stärker an einen 3D-Scanner, doch leider hat 3D Systems keinen Start-Stopp-Knopf eingebaut. Mac-Nutzer gehen leer aus, die Windows-Software ist gegenüber der des Sense 1 aber stark verbessert.
Rein bei der Geometrieerfassung ist der Sense 2 ein kleiner Rückschritt. Der Sense 1 erfasste kleine Details und dunkle Farben besser und konnte größere Objekte aus größerer Entfernung scannen. In der Praxis halte ich diese Unterschiede für die Zielgruppe von Infrarot-3D-Scannern allerdings nicht für entscheidend. Wer ein Gerät auf RealSense-F200-Basis ersetzen möchte, erhält durchaus einen Sprung bei der Geometrieauflösung.
Die Texturqualität hat gegenüber Sense 1 und RealSense F200 einen gewaltigen Sprung gemacht. Die RGB-Kamera des SR300 bietet Full HD. Sie ist weiterhin nicht so gut wie die eigenständige RGB-Kamera eines iPads und wird deshalb bei der Texturqualität vermutlich nie einen Structure Sensor schlagen.
Wer mit dem Sense 2 mittelgroße, 20 – 40 cm hohe Objekte auf einem manuellen Drehteller und mit einfacher Studiobeleuchtung erfassen möchte, kann mit wenig Aufwand gute Ergebnisse erzielen. In manchen Fällen lässt sich durch eine höhere „Geometry Resolution“ in den Einstellungen etwas mehr geometrisches Detail aus dem Sensor holen. Meist bringt das jedoch vor allem mehr geometrisches Rauschen und eine schlechtere Texturzuordnung.
Wer mit dem Sense 2 mittelgroße Objekte erfassen möchte, kann mit wenig Aufwand gute Ergebnisse erzielen.
Während Objektscans narrensicher sind, verlangt das Erfassen von Menschen viel mehr Übung und Geduld. Selbst für erfahrene Nutzer ist es nicht vorhersehbar genug, um jedes Mal einen guten Büstenscan zu erhalten. Dafür braucht die Software noch einige intelligente Funktionen und eine bessere Texturzuordnung.
Ganzkörperscans sind technisch möglich, erfordern aber noch mehr Übung und Geduld als Büstenscans. Dunkle Stoffe wie Jeans fordern den Sensor heraus und können Sie zu geringen Scanabständen zwingen, die bei Menschen weder praktisch noch angenehm sind.
Am besten eignet sich der Sense 2 also zum Scannen von Objekten. Wenn das Ihr Vorhaben ist, sollten Sie sich derzeit allerdings fragen, warum Sie dafür einen Infrarot-Tiefensensor verwenden möchten. Vergleichbare oder bessere Ergebnisse lassen sich mit Fotogrammetrie erzielen – einer Technologie, die lediglich eine Digitalkamera oder ein Smartphone benötigt.
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