Im vergangenen Jahr habe ich HPs ursprünglichen Sprout Pro getestet. Mein Fazit: Ein umfassender All-in-one-PC mit integriertem 3D-Scanning ist ein hervorragendes Konzept, doch die mitgelieferte Software war zu einfach, um die Hardware auszureizen. Insbesondere bot die vollautomatische Anwendung keinerlei Kontrolle darüber, wie mehrere Durchgänge von Streifenlichtscans zusammengefügt wurden.
Vor Kurzem hat HP den Sprout Pro G2 vorgestellt, der diese Probleme beheben und insgesamt besser nutzbar sein soll. Wie beim letzten Mal stellte mir der niederländische Sprout-Händler De Rekenwinkel freundlicherweise für einige Wochen ein Testgerät zur Verfügung. Der Händler hat auch seine niederländische HP-Sprout-Website für das neue Modell aktualisiert.
Die große Frage lautet natürlich: Ist dies der Sprout, auf den alle gewartet haben? Meiner Meinung nach kommt er dem ziemlich nahe! In diesem Test zeige und erkläre ich Ihnen, warum. Es geht erneut nicht um den Sprout G2 als Ganzes, sondern ausschließlich um seine 3D-Scanning-Fähigkeiten.
Der Sprout Pro G2 im Überblick
Das Grundkonzept ist unverändert: ein All-in-one-PC mit Windows 10, Touchscreen und einem darüber angeordneten Projektor, der einen zweiten Bildschirm auf eine berührungsempfindliche Tischmatte projiziert. Sämtliche Komponenten wurden jedoch technisch verbessert.

Zunächst ähnelt er einem iMac nun weniger und besitzt ein eigenständiges, vollständig schwarzes Design. Der Bildschirm ist größer (23 Zoll), die Lautsprecher sitzen jetzt an den Seiten. Dadurch wirkt das Gerät breiter und liefert besseren Stereoklang. Die Lautsprecher stammen von Bang & Olufsen und sind für ein solches Gerät in Ordnung. Erwarten Sie nur nicht den Klang separater B&O-Komponenten, die mehr kosten als der ganze Rechner. Dessen Preis beträgt in Europa €3883,47 zuzüglich Mehrwertsteuer beziehungsweise $3559 in den USA.
Das sind $860 mehr als für einen 27-Zoll-Apple-iMac mit ähnlicher Ausstattung und 5K-Bildschirm. Dieser bietet allerdings weder Touchscreen noch Projektor, Touch-Matte oder die übrigen Funktionen dieses Tests. Dafür ist der iMac ein sehr hochwertiges Aluminiumgerät. Der Sprout Pro G2 ist schwer, besteht aber weiterhin fast vollständig aus Kunststoff.
Der G2 besitzt immerhin einen schnellen Intel Core i7-7700, 16GB Arbeitsspeicher und eine 512GB-SSD. Die Grafik wurde auf eine Nvidia GTX 960M aufgerüstet. Das ist erfreulich, doch sie gehört weiterhin zur vorherigen Generation und kann weder eine Rift oder Vive noch HPs neues Mixed-Reality-Headset für $329 antreiben. Meiner Ansicht nach ist das eine verpasste Chance für einen vielseitigen Rechner zum Erstellen und Präsentieren von 3D-Inhalten.
Aber wen interessiert das, wenn er hervorragende Scans liefert? Legen wir los!
Zwei Wege zum Scan
Beim Test des Sprout Pro von 2016, einer Überarbeitung des ursprünglichen Sprout von 2014, stellte ich fest, dass die integrierte und stark beworbene Intel-RealSense-3D-Kamera überhaupt nicht für 3D-Scans genutzt wurde. Stattdessen enthielt das Modell von 2016 eine eigene Software zum Scannen mit strukturiertem Licht. Dafür kombinierte sie den Digitalprojektor und die hochauflösende Kamera, die ebenfalls in der oberen Einheit sitzen.

Die obere Einheit sieht abgesehen von ihrer schwarzen Farbe weiterhin gleich aus, enthält aber keine RealSense-3D-Kamera mehr. HP hat stattdessen einen Orbbec Astra S integriert. Diesen Sensor gibt es auch separat – ich besitze einen. Diesmal lässt sich der Tiefensensor tatsächlich für 3D-Scanning verwenden; HP liefert dafür die neue Anwendung Camera 3D mit.

Diesmal lässt sich der Tiefensensor tatsächlich für 3D-Scanning nutzen.
Die Auflösung des Digitalprojektors wurde von 1024 x 768 auf 1920 x 1280 erhöht. Das verbessert sowohl das Bild auf der Touch-Matte als auch das Streifenlichtscannen. Zur Automatisierung können und sollten Sie weiterhin die unveränderte optionale 3D Capture Stage erwerben: €296,69 ohne Mehrwertsteuer beziehungsweise $263,99. Während die Änderungen an der Streifenlichthardware gering sind, hat sich die Software grundlegend verändert. HP übernahm im vergangenen Jahr den 3D-Scanner-Hersteller DAVID und liefert mit dem Sprout G2 die umbenannte Software HP Pro Scan 5 aus. Diese habe ich kürzlich für meinen Test des DAVID SLS-3 verwendet. Dieser heißt mittlerweile HP Structured Light Scanner Pro S3 und kostet als vollständiges Paket mit Drehteller rund $6950. Das rückt den Preis des Sprout G2 in ein anderes Licht.
Ich beginne mit dem Streifenlichtverfahren, da es den besten Vergleich zum vorherigen Sprout und zum SLS-3 ermöglicht.
Streifenlichtscannen mit dem Sprout Pro G2
Die Streifenlichtsoftware des Sprout Pro von 2016 (Testbericht) sollte 3D-Scanning offensichtlich für jedermann zugänglich machen. Alles lief über einen Schritt-für-Schritt-Assistenten, die gesamte Oberfläche war auf Touchbedienung ausgelegt. Sogar Anweisungen wurden auf die Touch-Matte projiziert, damit die 3D Capture Stage korrekt aufgestellt und zunächst ein Hintergrundscan erstellt wurde. So konnte die Software den Hintergrund später aus dem eigentlichen Scan entfernen.
Diese Benutzeroberfläche war hervorragend durchdacht, funktionierte aber bei den meisten Alltagsgegenständen nicht. Der Hauptgrund: Für ein vollständiges 360-Grad-Modell müssen die meisten Objekte in mehreren Durchgängen gescannt werden. Da Projektor und Kamera des Sprout von oben nach unten ausgerichtet sind, anders als bei anderen Desktop-Scannern mit Drehteller wie dem SLS-3 oder dem kürzlich von mir getesteten EinScan-SE für $1199, sind mehrere Durchgänge noch wichtiger. Die alte Software scheiterte häufig am automatischen Ausrichten verschiedener Durchgänge und bot keinen manuellen Modus, um den Algorithmen zu helfen.
Der folgende Screenshot zeigt deutlich, dass die neue, ehemals von DAVID stammende Software am entgegengesetzten Ende des Spektrums liegt.

Es ist eine echte professionelle 3D-Scanning-Anwendung, deren Lernkurve Einsteiger allerdings abschrecken kann. Wie ich im SLS-3-Test zur selben Software schrieb, braucht man Zeit, um den Ablauf zu verstehen, und muss viele Schritte von Hand ausführen. Wer sich eingearbeitet hat, erhält dafür die vollständige Kontrolle über die Registrierung. Das macht den Sprout Pro G2 professioneller; ob die Software im Unterricht geeignet ist, erscheint mir jedoch fraglich.
Eine echte professionelle 3D-Scanning-Anwendung – allerdings mit Einarbeitungsbedarf
Die neue Software ist zudem nicht für Touchbedienung optimiert und setzt stark auf Tastatur und Maus. Glücklicherweise ist das kabellose Set des Sprout G2 gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert. Die Tastatur bietet jetzt Platz um die Pfeiltasten, statt alle Tasten eng zusammenzudrängen, und die Maus ist leicht angewinkelt. Ich arbeite tatsächlich sehr gern damit!
Einrichtung
Die Einrichtung für den Sprout G2 ist wesentlich einfacher als für den SLS-3 oder andere unterstützte Desktop-Scanner. Im Wesentlichen müssen Sie nur die entsprechende Voreinstellung auswählen.
Das war es! Eine zeitaufwendige Kalibrierung entfällt, weil die Abstände zwischen Kamera, Projektor und Touch-Matte feststehen. Danach sind Sie allerdings auf sich gestellt. Um den Ablauf zu verstehen, müssen Sie das Handbuch lesen, YouTube-Anleitungen ansehen oder meine Tests lesen. Gehen wir ihn also gemeinsam durch.
Zunächst fehlt nun ein Assistent, der darauf hinweist, dass unbedingt zuerst ein Hintergrundscan erforderlich ist – unabhängig davon, ob Sie die 3D Capture Stage verwenden. Wählen Sie dafür einfach Background Scan im Menü Scanning. Vorher müssen Sie entscheiden, ob der Drehteller normal oder geneigt genutzt wird. Die Neigefunktion gefällt mir weiterhin sehr gut. Ich empfehle sie immer dann, wenn das Objekt dabei nicht herunterfällt. Doppelseitiges Klebeband wirkt übrigens Wunder.

Dieses GIF zeigt zugleich, wie stark der Bildschirm spiegelt …
Anschließend genügt ein Klick, um den Hintergrund zu scannen. Wiederholen Sie diesen Vorgang jedes Mal, wenn Sie den Neigungsmodus wechseln oder den Drehteller bewegen. Ich empfehle einen erneuten Hintergrundscan auch nach Änderungen der Belichtung im rechten Bedienfeld. Höhere Belichtung ermöglicht das Scannen dunkler Gegenstände, kann aber Details in weißen Bereichen desselben Objekts verlieren lassen.

Scannen
Zum Start wechseln Sie einfach in den entsprechenden Reiter, der alle Informationen an einer Stelle zeigt.

Mit der 3D Capture Stage wählen Sie Automatic Turntable und geben die gewünschte Zahl der Stopps ein. Meist reichen 8; bei komplexeren Objekten würde ich 16 wählen. Auch Texturen lassen sich aufnehmen. Anders als die reinen Monochromkameras des SLS-3 besitzt der Sprout eine RGB-Kamera und kann Farbtexturen ohne Projektionstricks erfassen.
So sieht Streifenlichtscannen auf dem HP Sprout G2 mit der neuen Software HP 3D Scan Pro 5 aus. Das Video läuft in Echtzeit und zeigt, wie lange ein Durchgang mit 8 Scans auf der 3D Capture Stage dauert.
Wie Sie sehen, führt die Software nach jedem einzelnen Scan eine grobe und feine Registrierung durch. Dadurch werden die Durchgänge in 90% der Fälle korrekt zusammengefügt. Andernfalls hilft meist eine höhere Scanzahl. Standardmäßig bleiben jedoch alle Scans einzeln erhalten. Deshalb empfehle ich, nach jedem Durchgang alle zugehörigen Scans in der List of Scans rechts in Shape Fusion zu markieren und per Rechtsklick zusammenzufassen.
Nach längerer Nutzung bemerkte ich, dass ich Gegenstände gewöhnlich auf ihre Grundfläche stelle, wie im Video oben. Für die nach unten gerichtete Sprout-Kamera ist das meist nicht die beste Position. Auf der Seite oder dem Rücken liegende Objekte erforderten häufig weniger Durchgänge. Daher kombinierte ich den Durchgang aus dem Video mit zwei seitlich ausgerichteten Durchgängen.

Zum Ausrichten fassen Sie die Scans jedes Durchgangs zusammen. Bringen Sie anschließend jede Gruppe ungefähr an die richtige Position: Halten Sie SHIFT gedrückt, verschieben Sie mit der linken Maustaste und drehen Sie mit der rechten. Führen Sie dann im linken Menü Alignment die Funktion Pairwise Free Registration aus, um jeweils zwei Scans miteinander auszurichten, bis alles korrekt sitzt.

Wenn noch kleine Ausrichtungsfehler sichtbar sind, können Sie alle Zusammenfassungen auflösen, sämtliche Scans markieren und abschließend Global Registration ausführen.
Fusion
Um aus den Rohscandaten ein Polygonmodell zu erzeugen, müssen alle Scans verschmolzen werden. Einstellbar sind Resolution, Sharpness und der Anteil der zu schließenden Löcher. Tipp: Ein negativer Sharpness-Wert glättet das Ergebnis automatisch. Die Standardauflösung 500 wird recht schnell verarbeitet, schöpft die Scandaten aber nicht aus.

Für die meisten Objekte erwiesen sich 1000 oder 1500 beim Sprout Pro G2 als ideal. Diese Werte bieten ein gutes Verhältnis von tatsächlichen Geometriedetails und Polygonzahl. Werte über 2000 können zwar weitere Details herausarbeiten, verursachen aber auch starkes geometrisches Rauschen, insbesondere bei dunkleren Gegenständen; Beispiele folgen unten. Vermutlich hängt das mit der Lichtempfindlichkeit der 14-Megapixel-Kamera zusammen, die beim Rauschverhalten nicht zu den besten zählt. Wer mehr Details ohne Rauschen benötigt, muss sich wohl einen SLS-3 zulegen. Wird dieser mit dem Sprout verwendet, lässt sich einfach zwischen ihm und der internen Kamera wechseln.
Geschwindigkeit & Lüftergeräusch
Alle diese Algorithmen liefen auf dem Sprout Pro G2 deutlich schneller als auf dem Modell von 2016, das ich beim SLS-3-Test mit derselben Software verwendet habe. Selbst bei hoher Auflösung und vielen Einzelscans blieb das System jederzeit bedienbar. Das dürfte am schnelleren Intel Core i7 der 7. Generation und am verdoppelten Arbeitsspeicher liegen. Obwohl Intel-Chips dieser Generation für geringere Wärmeentwicklung bekannt sind, läuft der Lüfter des Sprout G2 sehr häufig auf voller Leistung und wird dabei sehr, sehr laut. Das ist wirklich störend und für einen Rechner dieser Preisklasse nicht akzeptabel. Laut Händler handelt es sich um ein bekanntes Problem, das bald durch ein Softwareupdate behoben werden soll.
Der Lüfter des Sprout G2 läuft sehr oft auf voller Leistung und wird sehr, sehr laut.
Beispielscans: strukturiertes Weißlicht mit HP 3D Scan Pro 5
Beginnen wir mit dem 19 cm hohen alten Krug aus den Fotos oben. Er besteht aus 3 Durchgängen von vorn, hinten und oben mit jeweils 8 Scans, verarbeitet bei Auflösung 1000. Daraus entstand eine 380MB große OBJ-Datei, was für die meisten Zwecke meiner Meinung nach bereits recht viel ist.
https://sketchfab.com/models/548be02ce2a04289b43f6024a1a187d0
Beim Betrachten der Textur könnten Sie meinen, mit Ihren Augen stimme etwas nicht: Sie wirkt unscharf. Das liegt an der äußerst ineffizienten Speicherung der Texturdaten. Die Software exportierte eine gewaltige PNG-Datei mit 8192 x 7796 Pixeln und 122MB in dieser Anordnung:


Für 3D-Anwender ist eine solche Texturdatei ein Albtraum. Sie besteht einfach aus einer Sammlung von Fotos, die auf das Objekt projiziert werden. Ich hoffe sehr, dass die Entwickler künftig vernünftiges UV-Mapping ergänzen, denn so ist sie für fast jeden Zweck unbrauchbar. Die Unschärfe scheint nicht einmal durch die mehrfachen Projektionen zu entstehen. Oben ist auch ein einzelnes Foto zu sehen, das schon für sich unscharf ist. Offensichtlich läuft bei der Aufnahme oder Verarbeitung etwas schief. Ob sich das per Software beheben lässt, weiß ich nicht sicher, halte es aber für möglich. Sicher ist, dass genau dasselbe Problem bereits beim vorherigen Sprout bestand, wie Sie später sehen werden.
Positiv ist dagegen die Geometrie: Schalten Sie die Sketchfab-Einbettung über das Zahnradsymbol auf MatCap, zeigt sich eine beeindruckende Qualität. Wenn Sie den Scan mit dem Ergebnis desselben Objekts vom professionellen SLS-3 bei identischer Software vergleichen, sehen Sie bei einem organischen Gegenstand wie diesem Krug große Ähnlichkeiten. Zwar gibt es erkennbare Geometrieartefakte durch Registrierungsfehler, aber nichts Unbehebbares.
Für meinen bekannten adidas-Kleinkind-Sneaker, der durch häufiges Tragen erneut schmutziger geworden ist, nahm ich wieder 3 Durchgänge auf: beide Seiten auf geneigtem Drehteller mit doppelseitigem Klebeband sowie einen Durchgang ohne Neigung, bei dem der Schuh auf der Sohle stand.

Bei diesem Scan nahm ich mir Zeit, aus jedem Einzelscan manuell Informationen zu löschen, um ein saubereres Ergebnis zu erhalten. Konkret verwendete ich Spitze und Schnürsenkel aus den nach oben gerichteten Scans sowie Seiten und Sohle aus den seitlichen Scans. Zum Auflösungsvergleich verschmolz ich die Daten jeweils mit 500, 1000, 2000 und 4000, immer bei der Standard-Schärfe 1. Die Kamerabelichtung erhöhte ich, damit die schwarzen Streifen erfasst wurden. Hochgeladen habe ich die Scans ohne Texturen, um ausschließlich die Geometriedetails zu vergleichen.
Achtung: Die folgenden Scans werden recht groß. Betrachten Sie sie am besten auf einem leistungsfähigen Computer statt auf einem Mobilgerät. Schließen Sie außerdem jede Einbettung nach dem Ansehen über das X oben rechts.
https://sketchfab.com/models/4a26e022ab604d1d9a78b04f05933ad7
https://sketchfab.com/models/725acd8439314a589f7afb24828f0cf3
https://sketchfab.com/models/cebe5d5fe0704e1ea36174ac00e7fb1a
https://sketchfab.com/models/001aa099f1a849d3af47199384f2fb78
Bei Auflösung 500 wirkt das Ergebnis eindeutig etwas unklar. 1000 liefert ein wesentlich besseres Modell mit einem guten Gleichgewicht zwischen den weißen und schwarzen Bereichen des Sneakers. Bei 2000 werden sogar die Ledermuster sichtbar, was ich beeindruckend finde. Allerdings wird nun auch das Rauschen in den schwarzen Bereichen stark verstärkt. Der Sprung von 2000 auf 4000 bringt keine sichtbare Qualitätssteigerung mehr. Für dieses Objekt ist 2000 daher der sinnvolle Höchstwert: ein Modell mit 10.3M Polygonen und reichlich Details zur Weiterverarbeitung.
Zum Vergleich sehen Sie unten denselben Kleinkind-Sneaker vom Sprout Pro aus dem Jahr 2016, der keine Auflösungseinstellungen bot. Das Ergebnis entspricht ungefähr der 500er-Einstellung des neuen Sprout Pro G2, eher etwas weniger. Das könnte allerdings allein an der Software liegen. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist HP 3D Scan Pro 5 auch für den Sprout Pro von 2016 verfügbar oder soll dafür verfügbar werden.
https://sketchfab.com/models/b96012c04f3b48dbb0e1a50e247a1a2a
Hier folgt ein Scan eines Sneakers in Erwachsenengröße, mit Einstellung 2000 und ohne Texturen verarbeitet.
https://sketchfab.com/models/d35d6f39f20845e5aea0b071b1a32347
Dieses Ergebnis beeindruckt mich. Solange die Gegenstände weiß sind, bleibt das Rauschen gut vertretbar. Bei dunkleren Objekten kann daher eine vorübergehende weiße Sprühbeschichtung bessere Ergebnisse ermöglichen.
Als letzten Vergleich mit Texturen zeige ich ein kleines Spielzeug: zuerst mit dem neuen Sprout Pro G2 bei Qualität 1000 gescannt, danach mit dem vorherigen Sprout Pro.
https://sketchfab.com/models/9b0fe0f1f32c446fb32e4ba552781914
https://sketchfab.com/models/d05c7c228da24445937221b92770033f
Fazit: Die Texturqualität ist genauso unscharf, die Geometrie des neuen Sprout aber deutlich besser. Das auffällige Rauschen am Hemd entsteht vermutlich durch dessen glänzende Oberfläche.
Damit ist das Scannen mit sichtbarem strukturiertem Licht auf dem Sprout G2 abgehandelt. Mit dem Schreiben bin ich jedoch noch nicht fertig, und Sie mit dem Lesen auch nicht: Es gibt schließlich noch den anderen Modus!
3D-Scanning mit dem integrierten Tiefensensor des Sprout Pro G2
Wie eingangs erwähnt, ersetzt eine Orbbec-Kamera die RealSense-3D-Kamera, und der Sprout enthält nun Software, mit der sich tatsächlich damit scannen lässt. Diese Software ist etwas Besonderes: eine angepasste Version der SLAM-Technologie Starry Night von Van Gogh Imaging. Sie ermöglicht 3D-Scanning, indem Sie einen Gegenstand einfach mit bloßen Händen vor dem Tiefensensor drehen. Der Algorithmus entfernt dabei sichtbare Finger automatisch. Aus dem Scan natürlich …
Ich habe ein kurzes Video erstellt, das den beinahe magischen Ablauf von Camera 3D zeigt. Als Tonspur hören Sie zugleich das unerträgliche Lüftergeräusch. Gut, bei 1:19 fährt auch ein Roller vorbei – so schlimm ist es nun doch nicht …
Wie Sie sehen, ist dies eine sehr einfache und interaktive Art des 3D-Scannens, die sich klar an Einsteiger und Lernende richtet. Es macht tatsächlich Spaß! Camera 3D ergänzt das Softwarepaket sinnvoll, denn HP 3D Scan Pro aus der ersten Hälfte dieses Tests könnte für Anfänger zu komplex sein.
Camera 3D bietet Einführungsanweisungen und führt Schritt für Schritt durch den Ablauf. Die Oberfläche ist vollständig für Touchbedienung optimiert.

Das funktioniert recht gut, hängt aber erwartungsgemäß stark vom Objekt ab. Bei zu gleichmäßig geformten Gegenständen fällt der Software das Tracking schwer. Sie lernen allerdings schnell, bestimmte Objekte so zu drehen, dass die Software ihnen besser folgen kann.
Wie im Video und in den Screenshots zu sehen, erfasst Camera 3D zunächst die Geometrie und niedrig aufgelöste Farbinformationen zur Orientierung. Anschließend können Sie das Objekt in sinnvolle Positionen bringen und hochauflösende Fotos aufnehmen. Diese werden auf das Modell abgebildet. Der Vorgang dauert überraschend lange, liefert meistens aber gute Texturen.
Danach lässt sich das Modell als OBJ oder im neuen Dateistandard 3MF exportieren. Der folgende Screenshot könnte den Eindruck erwecken, über die blaue Schaltfläche oben rechts sei auch ein direkter Sketchfab-Export möglich, da sie dem Logo des Dienstes ähnelt. Tatsächlich schaltet sie die Texturdarstellung um, wobei sie nicht die Textur ausblendet, sondern ein farbiges Drahtgitter zeigt.
Update Januar 2018
Zur CES 2018 veröffentlichte HP ein Softwareupdate mit Sketchfab-Export und erweitertem Textur-Export, beispielsweise zur Erzeugung von Normal Maps. HP stellte außerdem die Z 3D Camera für $599 vor: einen kleinen Tiefensensor, der jedem ausreichend leistungsfähigen PC die Scanfunktionen eines Sprout mit Camera 3D verleiht. Das Streifenlichtverfahren mit sichtbarem Licht gehört nicht dazu.

Mehr über die HP Z 3D Camera erfahren

Sehen wir uns das Ergebnis an:
https://sketchfab.com/models/ea0e68dd7cc14580a1f587dfc01826c9
Die Texturen sehen tatsächlich recht gut aus und zeigen nicht die Unschärfe der Texturausgabe von HP 3D Scan Pro 5. Sie verwenden außerdem UV-Mapping für eine möglichst effiziente Speicherung. Die folgende Textur hatte ursprünglich 3172 x 3172 Pixel. Das ist zwar weiterhin keine Zweierpotenz als Auflösung, aber immerhin quadratisch.
Schalten Sie die Sketchfab-Einbettung auf MatCap, wird schnell deutlich, dass die gute Textur ein sehr polygonarmes 3D-Objekt mit 36.7k Polygonen und fast keinen Geometriedetails kaschiert. Es kommt nicht einmal an die schnellste Ausgabe der Pro-Software heran. Dennoch ist der Krug erkennbar, und für Echtzeitanwendungen oder als Spielobjekt kann ein solches Modell genau richtig sein.

Hier ist der Sneaker in Erwachsenengröße, den ich ebenfalls mit der Pro-Software gescannt habe:
https://sketchfab.com/models/b74f43e1307c4f28b4ed60aa71812ff5
Die schwarzen Bereiche der Textur scheinen aufzutreten, wenn man nicht genügend hochauflösende Fotos aufnimmt. Im MatCap-Modus ähnelt die Geometrie eher einem Tonmodell des Sneakers als dem echten Gegenstand. Ob das gut ist, hängt wohl von Geschmack und Einsatzzweck ab.
Das Problem beim 3D-Scanning mit Tiefensensoren ist, dass sie sehr kleine Gegenstände nie besonders gut erfassen. Die meisten fühlen sich bei mittelgroßen und großen Objekten wohler. Mit etwas Ausprobieren können Sie auch Gegenstände scannen, die größer sind als die A3-Touch-Matte des Sprout. Unten sehen Sie einen Scan meiner 40 cm hohen Büste. Wegen ihres Gewichts war das anstrengend, und sämtliche hochauflösenden Texturfotos aufzunehmen war schwierig. Für einen Sensorscan ist das Ergebnis aber sehr ordentlich:
https://sketchfab.com/models/458ab20c84f642888bfc28adfe854e1b
Bei Objekten dieser Größe liefert der Orbbec Astra S tatsächlich mehr Geometriedetails als der Intel RealSense SR300 im handgeführten 3D Systems Sense 2 (Testbericht). Zum Vergleich folgt dieselbe Büste, mit diesem Gerät gescannt:
https://sketchfab.com/models/d7cf68c659fe4d40b95b1c40f8e7ff1e
Wenn die Textur vollständig und ohne schwarze Bereiche erfasst wird, kann die 14-Megapixel-Kamera des Sprout G2 auch bessere Texturen liefern als die eingebaute Full-HD-RGB-Kamera des RealSense SR300. Der Vergleich zwischen integriertem und externem RGB-Sensor ist allerdings etwas unfair. Die integrierte Kamera des Astra S bietet nur VGA-Auflösung; ohne die zusätzliche hochauflösende Texturaufnahme ist die Farbqualität des Sensors selbst schlecht.
Da Camera 3D eher ein unterhaltsames Spielzeug als eine ernsthafte 3D-Scanning-Anwendung ist, schließen wir den Test mit meinem Lieblingsspielzeug ab:
https://sketchfab.com/models/2898f2e298dc4069b4b210b5b66d68a8
Es ist nicht der beste Teddy, den ich je gescannt habe. Eine Quelle bei HP erklärte mir jedoch, dass Camera 3D regelmäßig um neue Funktionen erweitert werden soll. Deshalb erwarte ich in den kommenden Monaten Verbesserungen der Scanqualität.
Fazit
Als Computer ist der Sprout Pro G2 in nahezu jeder Hinsicht besser geworden. Er ist schneller, besitzt einen größeren Bildschirm und einen besseren Projektor – insgesamt ein besserer Rechner. Auch Aussehen und Klang haben sich verbessert.
Speziell beim 3D-Scanning bietet der G2 zwei unterschiedliche Lösungen für zwei Zielgruppen: unkomplizierte Erfassung mit Orbbec-Tiefensensor und leicht bedienbarer Software oder professionelle Ergebnisse mit der ehemaligen DAVID-Software, die eine recht steile Lernkurve besitzt.
Diese Kombination lässt offen, an wen sich der Sprout eigentlich richtet. Soll er ein immersiver Lerncomputer oder ein vollständiges 3D-Erstellungswerkzeug für Profis sein? Vermutlich beides. In beiden Fällen konkurriert er jedoch mit einem günstigeren Rechner plus separater 3D-Scanning-Lösung. Gerade beim Sensorscannen dürfte ein handgeführter Tiefensensor mit Laptop oder Tablet günstiger und flexibler sein und zudem große Gegenstände und Menschen erfassen können.
Die Streifenlicht-Ergebnisse des Sprout G2 mit 3D Capture Stage sind erheblich besser als beim Vorjahresmodell. Wie viel davon auf die überarbeitete Hardware zurückgeht, kann ich jedoch nicht sicher sagen. Den größten Anteil hat wohl HPs strategische Übernahme von DAVID und dessen ausgereifter industrieller Scansoftware, die jetzt HP 3D Scan Pro 5 heißt und mehr aus der Hardware herausholen lässt.
Nach der Einarbeitung erzeugt diese Software 3D-Scans mit beeindruckend detaillierter Geometrie. Dank i7-Prozessor der 7. Generation und 16GB RAM bewältigt der Sprout G2 sogar hochauflösende Fusionen gut, ohne wie das Modell von 2016 zeitweise nicht mehr zu reagieren.
Der Schwachpunkt ist die Aufnahme und Speicherung von Texturen. Für DAVID war diese Funktion vermutlich nie besonders wichtig, da professionelle Scanner hauptsächlich für technische und andere Aufgaben eingesetzt werden, die keine Texturen benötigen. Doch die 3D-Scanning-Landschaft verändert sich. Der Sprout scheint gezielt neue kreative Nutzer anzusprechen, die Objekte scannen, online teilen oder für innovative Anwendungen mit guter Farbwiedergabe verwenden möchten. Effizientes UV-Mapping ist aus meiner Sicht daher unverzichtbar.
Ironischerweise besitzt die neue Camera-3D-Software für den Orbbec-Astra-Tiefensensor ein hervorragendes Textur-Mapping. Die Texturen sind gut genug, um die sehr einfache darunterliegende Geometrie vergessen zu lassen. Dadurch sehen die Ergebnisse gut aus und bleiben zugleich leichtgewichtig genug zum Teilen, zur Anzeige auf Mobilgeräten sowie für Spiele und VR-/AR-Anwendungen.
Der Ablauf von Camera 3D ist wirklich innovativ und einzigartig. Zum ersten Mal konnte ich einen Gegenstand zum Scannen einfach mit der Hand vor einen Sensor halten. Das macht den Vorgang anschaulich und unterhaltsam und dürfte für den Unterricht attraktiv sein. Ich bin gespannt, wie die Software in 6 Monaten nach vielen Updates funktioniert. Ich vermute, dass sie mich positiv überraschen wird.
HP müsste nur noch das hochauflösende Textur-Mapping von Van Gogh Imaging in die ehemalige DAVID-Software integrieren, dann wäre alles gut!
Insgesamt begeistert mich weiterhin HPs Versuch, 3D-Scanning zugänglich zu machen. Selbst wenn Profis oder Bildungseinrichtungen den Sprout Pro G2 für andere Zwecke anschaffen, senkt er die Einstiegshürde für Experimente mit 3D-Erfassung: ohne Kabelanschlüsse und Kalibrierungsaufwand. Es gibt schlicht nichts Vergleichbares. Dass er nun sowohl professionelle als auch spielerische Scanmöglichkeiten enthält, eröffnet viele Möglichkeiten.
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